Der Kindergarten

August Friedrich Wilhelm Fröbels (1782-1852) Idee des Kindergarten fand ziemlich rasch Verbreitung. Bei uns wurde 1887 angeregt, eine Kinderbewahranstalt, wie man damals die Kindergärten nannte, zu errichten.[*]

Kurat Johann Schöpf begrüßte diesen Plan, spendete 30 Gulden und verhandelte mit dem Mutterhaus in Zams, um eine Schwester für die Leitung des Kindergartens zu erhalten. Eine Haussammlung ergab weitere 100 Gulden und mit dem Gesamtbetrag von 130fl besorgte man die Einrichtung für den Kindergarten. Der Gemeinderat stellte am 14.4.1887 für den Kindergarten im Erdgeschoß des Armenhauses ein gegen Osten gelegenes Zimmer kostenlos mit der Einschränkung zur Verfügung, daß es sofort zu räumen sei, falls es die Gemeinde für die Armenversorgung benötigte. Aber die Kinder verbrachten, viele Jahre in diesem ungeeigneten, kleinen und stets überfüllten Raum.

Die Schwester - allgemein Anstaltsschwester genannt - erhielt für die Führung 60 Gulden Jahreslohn. Dieser Betrag mußte alljährlich durch Sammlungen und Spenden von Gönnern aufgebracht werden. Aus einem Gemeinderatsbeschluß vom 24.3.1925 geht hervor, daß die Schwester monatlich pro Kind 5000 Kronen erhielt. Zahlungsfähige Eltern mußten diesen Betrag selbst aufbringen, die Kosten für die Kinder unbemittelter Eltern übernahm die Gemeinde. Heute werden die Kindergärtnerinnen von der Gemeinde entlohnt. Die Eltern zahlen monatlich pro Kind 50-60 Schilling. Damit ist der Aufwand für den Kindergarten nicht gedeckt, die Gemeinde mußte 1970/71 noch 1500 Schilling pro Kind zusetzen.

Die Errichtung des Kindergartens war vornehmlich praktischen Erwägungen zu danken. Sehr viele Frauen waren damals berufstätig. Sie werkten nicht nur als Hausfrauen und Bäuerinnen im Hause, sondern waren auch auf den Feldern tätig. Da war es sehr beruhigend zu wissen, daß die Kinder gut aufgehoben waren. Während des Winters war der Kindergarten geschlossen und die Schwester war mit Haus- und Pflegearbeiten im Armenhaus beschäftigt. Erst später - ich glaube ab Mitte der dreißiger Jahre - wurde nach und nach die Betriebszeit des Kindergartens der Schulzeit der Volksschule angeglichen.

Aus dem unzulänglichen Raum im Armenhaus konnte der Kindergarten erst nach Jahrzehnten ausziehen, war einige Jahre im Jugendheim und ist seit Spätherbst 1961 im alten Schulhaus, Kirchgasse 1 untergebracht. Die Kinder verfügen nun über zwei große Räume und können bei günstigem Wetter in einem ausgedehnten Garten herumtollen.

Die ,,Anstaltsschwester`` und eine Helferin, die ihr seit einigen Jahren zur Seite steht, betreuen durchschnittlich 50-60 Kinder. Aus der ,,Kinderbewahranstalt`` ist längst ein Kindergarten geworden, der im Sinne Fröbels geführt wird.

Die Nationalsozialisten duldeten selbst bei Kleinkindern keine geistlichen Schwestern als Erzieherinnen. Bis 1945 wirkten daher auch bei uns weltliche Kindergärtnerinnen.

Zur Erntezeit errichteten die Nationalsozialisten Erntekindergärten, damit die Mütter unbesorgt ihrer Arbeit nachgehen konnten. Viele begrüßten das. Bei uns wurde am 16.7.1938 der erste Erntekindergarten eröffnet. Für die Kleinstkinder gab es in dieser Zeit im Hause Haller, Hauptstraße 5, eine sogenannte Krabbelstube.

Für die Vergrößerung und Modernisierung des heutigen Kindergartens bestehen Pläne, aber es fehlt das Geld.

http://www.pisch.at/Ernst/Wissen/Dorfbuch/Dorfbuch.html