Die landwirtschaftliche Berufsschule

Schon die unter der Regierung Maria Theresias 1774 erlassene Schulordnung sah nach der Volksschulzeit einen Wiederholungsunterricht an Sonntagnachmittagen vor. Am Unterricht hatten alle jungen Leute bis zum 18. oder 20. Lebensjahr teilzunehmen. Sie wurde allgemein die Feiertagsschule genannt. Die Jugendlichen erhielten nach dem Nachmittagsgottesdienst zwei bis drei Stunden Unterricht aus Religion, Schreiben, Lesen und Rechnen. Bei den Schülern war der Unterricht an Sonntagen nicht beliebt. Die Teilnahme ließ oft zu wünschen übrig.

Von unwesentlichen Änderungen abgesehen, erhielt sich dieser Schultyp bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. Dann wurde die Feiertagsschule in die ländliche Fortbildungsschule umgeändert.

Der Unterricht fand nun an Wochentagen statt, bei uns in den zwanziger Jahren am Samstagnachmittag. Zu den früheren Unterrichtsfächern trat nun für die männliche Jugend Landwirtschaftskunde und für die Mädchen Hauswirtschaftslehre hinzu. Zum Schulbesuch verpflichtet waren die 15 und 16 jährigen Jugendlichen. Anfangs der Zwanzigerjahre nahmen mitunter auch ältere Personen freiwillig am Unterricht teil.

Seit 1940 führte die Fortbildungsschule die Bezeichnung landwirtschaftliche Berufsschule. Bisher unterrichteten nur Lehrkräfte der Volksschule. Nun aber wurde der landwirtschaftliche Fachunterricht manchmal an der Arbeitsstätte (Stall, Garten u.ä.) von erfahrenen Bauern oder Fachkräften erteilt.

Seit Herbst 1941 wurde während des Krieges in der arbeitsruhigeren Zeit wöchentlich zweimal vier Stunden und solange die Feldarbeiten dauerten einmal vier Stunden unterrichtet.

Auf Wunsch der Bevölkerung veranstalteten zeitweise die Lehrer unseres Dorfes Fortbildungskurse für Erwachsene. Sie befaßten sich zumeist mit Rechnen und Schriftverkehr. Nach dem Ersten Weltkrieg war es Johann Steiner und in den dreißiger Jahren Anton Brugger und Franz Pisch, die solche Abendkurse durchführten. Während der nationalsozialistischen Zeit arrangierte die bäuerliche Berufsorganisation für die Landwirte Schulungsabende. Hier sprachen Fachkräfte über Themen des landwirtschaftlichen Interessenkreises. Dabei führten die Referenten meist Lichtbilder oder Filme vor. Solche Lehrgänge fanden 1938/39 und 1940/41 statt. In der Zeit vom 14.11.1940 bis 3.4.1941 besuchten 689 Personen zehn Schulungsabende. Auch die Frauenschaft hielt in dieser Zeit für Hausfrauen und Bäuerinnen verschiedene Lehrgänge ab, die meistens gut besucht waren.

Nach 1945 erteilten wieder nur Volksschullehrkräfte den Unterricht. Die Schule nannte man Allgemeine ländliche Fortbildungsschule und ab Schuljahr 1957/58 Landwirtschaftliche Berufsschule.

Ab Schuljahr 1952/53 trat in der Unterrichtsgestaltung eine entscheidende Änderung ein. Fünf Wochen hindurch - in späteren Jahren länger - erteilten Fachkräfte täglich vormittags den Unterricht in der Berufsschule. Die übrige Zeit unterrichteten wie bisher einmal wöchentlich die Volksschullehrer die Berufsschüler, wobei sich der Unterrichtsstoff besonders auf Rechnen, Schriftverkehr und Staatsbürgerkunde beschränkte. Das fachliche Wissen wurde in den Fachkursen vermittelt.

Als Fachkräfte bei der männlichen Jugend wirkte bis zur Auflösung der Schule Ing.Hermann Thurnbichler, die Fachkurse für die weibliche Jugend leiteten Rosa Geißler, Rosa Vogelsberger, Elisabeth Schwankler, Maria Heiß, Friederike Jahn und Egger Martha.

Bis zum Schuljahr 1957/58 besuchten nur Inzinger Schüler die Berufsschule. Allmählich aber nahm die Zahl der Schüler ab. Im genannten Schuljahr waren es nur 9 männliche und 9 weibliche Jugendliche, dreißig Jahre vorher (1927/28) noch 23 und 16.

Anzahl der Schüler in der Berufsschule Inzing

Schuljahr männl. weibl.      Schuljahr männl. weibl.
1922/23 17 20   1940/41 29 25
1923/24 ? 25   1941/42 21 32
1924/25 ? 25   1942/43 ? 25
1925/26 14 15   1943/44 ? 27
1926/27 22 18   1944/45 - -
1927/28 23 16   1945/46 9 22
1928/29 19 18   1946/47 11 23
1929/30 22 14   1947/48 18 ?
1930/31 17 14   1948/49 16 8
1931/32 7 17   1949/50 17 ?
1932/33 7 16   1950/51 11 10
1933/34 13 15   1951/52 13 10
1934/35 17 16   1952/53 13 10
1935/36 17 22   1953/54 12 14
1936/37 16 28   1954/55 7 19
1937/38 19 23   1955/56 6 17
1938/39 26 15   1956/57 10 12
1939/40 29 17   1957/58 9 9

Herkunft der Berufsschüler

Schuljahr Gesamtzahl Vater ist Landwirt Inzinger Hattinger Pettnauer Rangger Pollinger Flaurlinger
  m. w. m. w. m. w. m. w. m. w. m. w. m. w. m. w.
1950/51 11 10 8 5 11 10                    
1951/52 13 10 5 6 13 10                    
1952/53 13 10 3 7 13 10                    
1953/54 12 14 6 9 12 14                    
1954/55 7 19 4 8 7 19                    
1955/56 6 17 4 8 6 17                    
1956/57 10 12 7 6 10 12                    
1957/58 9 9 8 4 9 9                    
1958/59 10 4 7   10 2         0 2        
1959/60 8 7 4 6 6 4 1 0     1 3        
1960/61 8 12 8 8 4 9 2 0 1 1 1 2        
1961/62 6 11 5 3 2 5 3 4 1 2            
1962/63 8 10 8 5 3 7 4 3 1 0            
1963/64 15 9 12 5 6 4 4 3 1 0 4 2        
1964/65 7 7 7 3 4 5 1 2 2 0            
1965/66 9 8 7 4 5 6 1 1 3 1            
1966/67 0 7 0 7 0 2         0 2 0 1 0 2

Da auch in anderen Orten die Zahl der bäuerlichen Jugend abnahm, wurden die Berufsschulsprengel vergrößert, um die zur Führung einer Klasse notwendige Schülerzahl zu erreichen. Ab Schuljahr 1958/59 gehörten zum Schulsprengel Inzing die Gemeinden Inzing, Hatting, Pettnau und zeitweise auch Ranggen.

Auch schon früher während des letzten Weltkrieges gehörte ab Schuljahr 1941/42 die Gemeinde Ranggen zum Berufsschulsprengel Inzing. Um aber den Jugendlichen aus Ranggen den weiten Schulweg zu ersparen, ließ man die Klasse in Ranggen weiterbestehen. Unsere Berufsschule hatte also damals drei Klassen.

Ab 1966/67 führte unsere Schule für die männliche Jugend wegen geringer Schülerzahl keine Klasse mehr. Die Schüler mußten die Berufsschule in Innsbruck Wilten und ab 1971 in Imst besuchen. Die Mädchen konnten noch ein Jahr länger in Inzing bleiben, doch dann mußten auch sie in die Innsbrucker Berufsschule gehen.

An den Fachkursen nahmen die Schüler der Berufsschulen von Inzing, Flaurling und Oberhofen teil, ja 1961/62 sogar auch die aus Kematen, da sonst zu wenig Schüler gewesen wären.

Zur Teilnahme am Unterricht der landwirtschaftlichen Berufsschule waren alle fünfzehn und sechzehnjährigen Jugendlichen verpflichtet, die nicht eine andere Berufsschule besuchten. Es mußten selbst solche Schüler zum Unterricht kommen, die zur Landwirtschaft in keinerlei Beziehung standen. Ihr Interesse am Unterricht war sehr gering. Schulbesuch und Mitarbeit ließen zu wünschen übrig und bereiteten viel Ärger. Bei den Fachkursen besserten sich die Verhältnisse, als später nur mehr solche Jugendliche teilnehmen mußten, die aus dem landwirtschaftlichen Berufskreis kamen. Mit der Auflösung der Berufsschulklassen entfielen natürlich auch die Fachkurse.

Jahrzehntelang bekamen die Lehrer keine Vergütung für den Fortbildungsschulunterricht. Erst spät, ich glaube es war in den vierziger Jahren, wurde der Unterricht entlohnt.

Über die Schülerzahlen der Berufsschule geben die Tabellen [*] (Seite [*]) und [*] (Seite [*]) Aufschluß.

http://www.pisch.at/Ernst/Wissen/Dorfbuch/Dorfbuch.html